45 Jahre Altenpflege: Zwischen Herz und Härte
Shownotes
In dieser Folge sitzen wir am Altmühlsee und sprechen mit Ria, die auf 45 Jahre in der Altenpflege zurückblickt. Sie nimmt uns mit auf eine persönliche Reise voller bewegender Begegnungen, emotionaler Geschichten und überraschender Wendungen, die diesen Beruf so einzigartig machen. Wir erfahren, wie sie als junge Frau in eine Branche kam, die damals kaum jemand wählen wollte, und warum sie trotz aller Härten nie aufgehört hat, für ältere Menschen da zu sein. Ria teilt offen, was sie geprägt hat, welche Herausforderungen sie erlebt hat und warum Altenpflege für sie mehr Berufung als Beruf war. Eine Folge, die Mut macht und zum Nachdenken über unsere Gesellschaft und das Altern anregt.
Altenpflege
https://de.wikipedia.org/wiki/Altenpflege
Marienstift Dachau
https://www.marienstift-dachau.de/
Stefanusheim
Babyboomer
https://de.wikipedia.org/wiki/Baby-Boomer
Altmühlsee
Dachau
https://de.wikipedia.org/wiki/Dachau
Altenpflegeschule
https://www.pflegen-online.de/altenpflegeschule-was-ist-das-und-wie-finde-ich-eine
Transkript anzeigen
00:00:02: Ja, hier ist rund um den Hesselberg.
00:00:10: Und wir sind heute ein bisschen weiter weg
00:00:12: vom Hesselberg
00:00:13: aber immer noch rund um Den Hessel
00:00:14: Berg.
00:00:15: Wir sind in
00:00:16: Schlungenhof
00:00:18: am Surfcenter und dort haben wir einen ganz sympathischen
00:00:24: Gast
00:00:24: einer Gästin und die erzählt uns jetzt gleich über Altenpflege
00:00:29: etwas.
00:00:33: Ich sitze jetzt im Altenmüll-Sender am Surf Center am Altmüllsee.
00:00:38: Ria, der ist hier neben mir und ich habe von der Ria erfahren dass sie Altenpflegerin
00:00:44: ist.
00:00:44: War?
00:00:45: War!
00:00:45: Du warst Alten-Pflegerin.
00:00:47: Fünfvierzig Jahre lang.
00:00:48: Ja
00:00:48: Wahnsinn.
00:00:49: Da musst du ja tolle Geschichten erzählen können.
00:00:51: Shop?
00:00:52: Ok, leg los.
00:00:58: Das kann ich nicht erzählen was man jetzt im ersten Moment einfällt Weil ich habe in Wünchen, in Bayern nur drei Altenpflegeschulen gegeben.
00:01:11: Wie heute überall in jeder Stadt oder jeden Dorf und da haben sie mich dann nach Dachau ins Marianstift geschickt.
00:01:23: Ganz christlich?
00:01:27: Ja auch christlich.
00:01:29: Und dann war Dann haben sie mich losgeschickt.
00:01:34: Als ich sage mal, das kann ich jetzt nicht erzählen.
00:01:38: Ja
00:01:39: gut, dann erzähle das was du erzählen kannst.
00:01:42: Das wird ganz lustig!
00:01:45: Kannst du schneiden?
00:01:48: Nein.
00:01:48: Dann kann ich das nicht erzählen, als junges Mädchen mit zwanzig war ich zwanzige und dann schicken die mich los.
00:01:56: Und am Wahnsinn schon gestanden haben mir hinterher geschaut wie ich jetzt reagiert.
00:02:03: Aber das kann ich jetzt nicht erzählern.
00:02:05: Was hast du denn
00:02:07: reagiert?
00:02:07: Warst du unsicher oder was?
00:02:09: Ich habe schon viel gesehen, die Mann als Altenpflegerin.
00:02:12: Siehst du hier viel?
00:02:13: Da kommst Du ins Indime rein.
00:02:15: also das sieht
00:02:17: und hört.
00:02:18: aber erzähl doch mal was man gesehen.
00:02:20: du sagst ja keine Namen, du sagste ja keine... Was sieht
00:02:22: man da?
00:02:24: Also ich zwanzig Jahre alt schicke mich los und schaue hinter mir her weil sie mich losschicken.
00:02:29: Ich soll jetzt den Mann davon die Einlagen wechseln, gell?
00:02:34: Die in Kontinent einladen Das habe ich ja vorher auch schon gemacht.
00:02:42: Ich war zuvor noch ein Jahr im Stäfernussheim als Praktikantin und dann schick'n die mich in Dachau, in Marienstift da los... ...und er hat wechselig die Einlagen vorlagend und dann hatte er einen Hodenbruch.
00:03:04: Das sagst du auch?
00:03:07: Warum sagst Du da
00:03:08: auch?
00:03:08: Oh, hab ich gesagt.
00:03:08: Oh!
00:03:09: Sag ich das aber unangenehm.
00:03:11: Nein einfach so.
00:03:13: Kann ich mir vorstellen... Kennst Du das auch?
00:03:14: Ich kenn's nicht, aber ich kann mal vorstellen dass es unangedehnt ist.
00:03:17: Kindeskopfgroß.
00:03:19: So was habe ich ja als junge Frau bis dahin noch nie gesehen.
00:03:26: Und
00:03:27: die haben dann...
00:03:27: Ja und das hatte ich dann so begeistert, dass Du richtig das gelernt hast.
00:03:32: Die anderen haben dann halt klacht und dann ist man schon
00:03:37: wieder.
00:03:37: Aber du hast ja über vierzig Jahre so ein Herz für ältere Leute gehabt, wie kam es dazu?
00:03:42: Wie kam
00:03:43: es da zu?
00:03:43: Ja das wäre schon...
00:03:45: Melanie, wie kann's dazu?
00:03:46: Die Melanie kann jetzt nichts sagen weil die hat keinen Mikrofon.
00:03:49: Du musst drehen!
00:03:51: Ich bin hier Babyboomer Anfang der sechziger Jahre geboren und dann auf einmal sind da viele Kinder geboren, ein Baby-Boomert.
00:04:03: Und dann gab es dann wie ich aus der Schule gekommen bin, in den Sechsundsiebzig keine Lehrstellen für mich weil ich ja nicht so gut war in der Schule, das ist ja ... Weil ich ja... Ich bin eine Müllersdoktorjüngste.
00:04:19: Ja, Müller.
00:04:22: Also
00:04:24: Mühle?
00:04:24: Ich komme aus Frankfurt und ich kenne mich noch nicht so aus.
00:04:28: Wenn dann schon eine Sägmühle aus der Al-Mühle... Ah ja!
00:04:33: Okay.
00:04:33: ...die es jetzt wieder hergestellt diese Mühler.
00:04:38: Und ich brauche hier nichts lernen damals.
00:04:43: Ich wollte schon was lernen aber meine Eltern haben gesagt das brauchst du was lernen du heiratest doch.
00:04:48: also bin ich mit meiner Tante in die Fabrik gegangen Aber das hat man halt nie so gefallen.
00:04:55: Wie ich dann in mich berufsschuldpflichtig war, bin ich aufs Arbeitsamt und hab gesagt, ich möchte noch was lernen entweder Schneiderin oder Erzieherin.
00:05:08: Und dann sagt die zu mir, wenn sie nicht Altenpflegerin werden Das ist ein Beruf mit Zukunft!
00:05:15: Aber dass es ein Scheiß-Beruf war Scheißberuf mit Wochenenddienst, Feiertagdienst.
00:05:22: Keinem Brückentakt!
00:05:24: Keinen Brückentalkt.
00:05:26: und ja okay daheim um mich herum waren immer ältere Menschen, ich war die jüngste.
00:05:33: Was würdest du denn heute sagen wenn jemand Altenpfleger oder Alten Pflegerin wird?
00:05:37: Würdest du denen sagen mach das weil wir haben ungefähr ein paar tausende jetzt zuhören.
00:05:42: Und wenn du sagst so einen Scheissberuf es war für dich Wahrscheinlich nicht
00:05:46: so schön, ne?
00:05:47: Doch!
00:05:48: Es war der Beruf.
00:05:51: Das war eigentlich die Berufung.
00:05:59: Ich hätte mir nichts anderes vorstellen können.
00:06:02: bis zum Schluss und da hat es meinen Stecker gezogen.
00:06:05: Also das war von heute auf morgen... ich kann das nicht mehr hören.
00:06:11: Also mit zwanzig, wie ich gelernt habe und das alles.
00:06:15: Da waren noch viele vom Krieg.
00:06:18: Kriegsgeschädigt in den achtziger
00:06:20: Jahren.
00:06:22: Da haben noch viele gelebt.
00:06:23: und die jungen Männer was sie erlebt haben im Alter, die haben Ängste gehabt wenn man die angefasst hat.
00:06:34: Die haben immer Angst gehabt.
00:06:37: auch die Frauen Auch die Frauen haben dann erzählt, wir sind umwege gelaufen.
00:06:44: Weil wir wussten auch nach dem, dass da die Russen sind oder die Franzosen, die haben uns auch vergewaltigt.
00:06:50: Jetzt können wir das ja sagen, gell?
00:06:52: Damals hätten wir uns das nie sagen trauen.
00:06:54: Das haben wir lieber umweGE gelaufen weil man wussten, da sind die Russinnen oder Engländer oder die Fransosen halt die Besetzer.
00:07:06: und wenn sie uns erwischen...
00:07:10: Wie bist du denn mit solchen Aussagen umgegangen?
00:07:13: Wie war das für dich, wenn die es dir gesagt haben?
00:07:16: Hat ich das getroffen gemacht oder war das
00:07:19: so... Also was geht mich der Krieg an.
00:07:24: Ich war zwanzig.
00:07:26: Was geht nicht den Krieg ein und was geht?
00:07:27: nichts anderes ist doch schon alles lange weg.
00:07:30: also das war dann für mich irgendwie immer das gleiche.
00:07:36: Ich kann nicht das höre immer das
00:07:38: Gleiche Aber hast ja vierzig Jahre
00:07:39: ausgehalten.
00:07:41: Ja, weil ich halt mit... Sonntag in der Früh um sechs Uhr.
00:07:49: Ich mach die Tür auf und eine Frau liegt im Bett und schaut mich so strahlt über das ganze Gesicht und sagt dann zu mir, Sie wissen sie eigentlich?
00:08:01: Dass sie einen Scheißberuf haben?
00:08:07: Nur sag' ich, ja ich hab den Braten schon gerochen!
00:08:12: Oder haben wir halt gelacht.
00:08:14: Weil das erste was man auch gelernt hat in der Schule, in München war schon eine richtig gute Schule In der Naht mit Hausordnungen und keine Herren besuchen und sind zehn daheim und Dienste...
00:08:29: Du hast ja jetzt irgendwann geheiratet, wie kam sie dazu?
00:08:34: Das lasst mir
00:08:34: aus!
00:08:38: Ja auf jeden Fall war das schon ein Beruf mit bis zum Schluss.
00:08:46: Aber noch einmal, dann war ich vielleicht so vierzig und dann sind mir diese Männern und diese Frauen vom Krieg immer weniger und weniger geworden.
00:08:56: Und dann entwickelt man sich ja auch weiter.
00:09:00: Und auf einmal erzählte ich mich, sie waren im Graben... im schützengraben und wissen wie da waren die russen.
00:09:13: Und ich war neunzehn, mein kumpel war siebzehn und es war langweilig.
00:09:19: Jetzt schauen wir mal was die da drüben machen.
00:09:22: Der Kumpel drübe ist eine sekunde früher auf und war eine Sekunde später dort neben ihm gelegen.
00:09:31: wenn der war Neunzehnt so etwas und da bin ich dann langsam.
00:09:39: Ja, ich war dann schon... haben wir das halt ankorkt.
00:09:43: Aber jeden Tag, als ich jung war und dann so...
00:09:48: Also trotzdem, was ist es?
00:09:49: Vierzig Jahre jetzt durchgehalten oder ausgehalten?
00:09:52: Was würdest du denn zu jemandem sagen, der jetzt sagt, ich meine, Altenpflegerin,
00:09:56: Alpenpflegers?
00:09:57: Überlegt dir das!
00:09:58: Das wird zwangend?
00:09:59: Ja,
00:09:59: überlegt ihr das.
00:10:01: Okay.
00:10:01: Überlegt ihr des, weil mir das kann man jetzt auch schon mit sechzehn und siebzig Jahren lernen mit Menschen zu arbeiten, es ist nicht leicht.
00:10:14: Und wenn du das lernen willst, können sich jetzt alle Weidebilden und Fortbilden so Experten für Wunde und für ... Das ist eine Aufgabe und die ...
00:10:33: Dann muss ich dir sagen... Das war jetzt toll, dass wir uns hier am Surf-Sender getroffen haben.
00:10:39: Und du ein bisschen erzählt hast von dem was du gemacht hast und von dem Hotenbruch erzählen musst, der dich motiviert hat zu werden oder?
00:10:53: Ich war ja dann die Praktikantin im Stefanusheim und wie ich da zum ersten Mal reinkommen bin mit.
00:11:02: Das war um die Mittagszeit.
00:11:03: Die alten Menschen, die liegen alle in ihrem Bett und Mund auf... Ah, die sind hier schon alle gestorben?
00:11:10: Die werden ja nur noch
00:11:11: ... Ja?
00:11:13: Und dann die Mitarbeiter waren auch eigentlich nicht freundlich.
00:11:20: Und eine hat mich dann angelacht.
00:11:24: Der habe ich so verdankt dass ich das fünfundvierzig Jahre gemacht hab.
00:11:43: Und die
00:11:53: Politik, weil ich war mal in Berlin vor ein paar Jahren und dann im Bundeskanzleramt Abgeordneten und habe gesagt, das war schon ein paar Jahre her.
00:12:06: Ich hätte einen Vorschlag, weil die so viel Flüchten aus dem Beruf ... Wenn man den Leuten sagt, wenn ihr fünf oder zehn Jahre in diesem Beruf bleibt, dann können sie ein Jahr früher in Rente gehen.
00:12:23: Und wenn man dann bis zu zwanzig Jahre schafft und zwei Jahre, weil das hält niemand aus so lange.
00:12:30: Aber du hast
00:12:31: doch rausgehalten.
00:12:34: Was hätte ich anders machen sollen?
00:12:37: Das hat man ja gefallen, sonst hätte ich es nicht machen können.
00:12:40: Ich schaue jetzt nicht krank aus und mitgenommen...
00:12:44: Du bist hübsch raus.
00:12:45: Danke!
00:12:49: Gut, aber dann sage ich trotzdem danke, dass wir ein paar Leute haben, die das gehört haben und die sagen will ich werden oder nicht weil und so
00:12:58: weiter.
00:12:58: Doch wir brauchen euch und die Alten Die sind auch lieb, also das ist ja nicht all.
00:13:04: Und wenn man da muss immer sehen... Das macht dir das Alter.
00:13:10: Das waren jetzt schöne Abschlussworte von dir.
00:13:13: Ich danke dir!
00:13:16: Ja und das war's und um den Hesselberg heute vom
00:13:27: Altmeldsee
00:13:28: Schlungenhof im Surfcenter und wir hatten einen Mitten-Interview Partner einer Interviewpartnerin.
00:13:35: und wenn sie noch mehr über rund um den Hässelberg hören wollen oder von rund um Den Häseltag hören wollen.
00:13:42: Wenn Sie das gerne im Anschluss an die Musik machen, einfach auf den Knopf abonnieren drücken und sofort haben sie immer die neuesten Podcasts von Rund Um Den Heselberg!
00:13:54: Bis dahin sage ich Tschüss und bis bald.
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